Kursberichte 2018

Kursbericht Kurs 1: Wandbespannung

Dienstag/Mittwoch 20./21. März 2018

 

Mit traditionellem Handwerk zum warmen Wohngefühl

 

Was treibt neun Jugendliche, aus allen Ecken der Deutschschweiz, an einem verschneiten März Tag nach Nürensdorf? Die anstehenden Lehrabschlussprüfungen der Innendekorateure.

 

Nicht mehr lange und die meisten, dieser jungen Frauen und Männer werden fertig ausgebildete Innendekorateure sein. Bei den anstehenden Prüfungen besteht ein Teil aus dem bespannen einer kleinen Wand. Beim erlernen und montieren von Wandverspannungen besteht bei der ganzen Gruppe Nachholbedarf! Das Handwerk geniest, meiner Meinung nach, einen, sagen wir etwas verstaubten, nicht besonders guten Ruf. Auf Grund des schlechten und veralteten Eindrucks einer Wandverspannung sind diese heute nicht mehr oft gefragt und zählen dadurch leider nicht mehr zu den Routinearbeiten eines modernen Innendekorateurs. Im Kurs von WHW, welcher seit Jahren die beliebte und stets gut besuchte Wiederbelebungsmassnahme der Kunst der Wandverspannung anbietet, bekommt jeder die Chance, sein etwas verstaubtes Wissen aufzufrischen und sein Können zu verbessern.

 

Da Sie, liebe Leser, wahrscheinlich grössten Teils bereits selber Wandbespannungen gemacht haben, oder schon Berichte in diesem Newsletter darüber gelesen haben, möchte ich mich mit der Zusammenfassung der Arbeit im Kurs gerne kurz halten. Lieber möchte ich später versuchen etwas Staub zu wischen und die Vorzüge einer Wandbespannung in modernen Räumlichkeiten anzupreisen.

 

Aber zuerst eine kurze Zusammenfassung des Kursinhaltes. Es gilt, in kurzer Zeit möglichst viel zu lernen deshalb haben wir sofort nach der herzlichen Begrüssung mit der Arbeit begonnen. Die Wandelemente (zwei Wände mit Fenster und Dachschräge) die es zu bespannen gilt stehen im Atelier von Rettich Innendekorationen bereits bereit. Als erstes mussten die Holzwände mit Leisten versehen werden, an welchen später der Stoff befestigt wurde. Nach einer kurzen Kaffi und Gipfeli Pause wurde die Watte zugeschnitten und eingepasst. Nach dem üppigen Mittagessen im Restaurant Bären gegenüber des Ladenlokals begannen wir mit dem spannendsten und gleichzeitig heraus fordernsten Teil der Arbeit, dem musterpassenden zusammensetzen und aufspannen des Stoffes. Tatsächlich hat sich meine Gruppe einen relativ wild gepunkteten Stoff ausgesucht, welcher sich als schwer zu bändigen erwies. Mit viel Geduld und dem ein oder anderen „Hueresiech“ haben wir es mit vereinten Kräften geschafft das Stück Stoff unter Kontrolle zu bringen. Mit der fachmännischen Hilfe von Markus konnten wir unsere Wände schlussendlich sauber fertig stellen und betrachteten im Anschluss mit glänzenden Augen unser Meisterwerk.

 

Und jetzt zu meinem angekündigtem Versuch das Image der Wandverspannung einwenig zu entstauben.

 

Ein typisches Problem von Neubauten heutzutage ist der hohe Schall. Wie soll’s auch anders sein? Mit den glatten Plattenböden, Betonwänden, wenig gepolsterten Möbeln, Ledersofas und Glastischen? Das alles sind Dinge, die den Schall von Räumen nicht schlucken können. Die wunderschönen aber riesigen Fensterfronten tragen da auch nicht wirklich zur Besserung bei. Verstehen Sie mich nicht falsch, ich bin selber ein Fan der modernen Architektur und Innenausstattung. Nur, hat diese auch eindeutig ihre Nachteile. Was dagegen tun? Vorhänge sind bei vielen Leuten kein grosses Thema und wenn, bestimmt nicht die dicken, gefütterten Dekovorhänge, welche zur Schalldämmung beitragen würden. Teppiche mag auch nicht jeder und wie viel Schall kann ein Dekorationsteppich unter dem Sofatisch wirklich mindern? Wandverspannungen sind ein hervorragendes Mittel für die Schalldämmung. Dazu kommt, dass sie ein warmes Wohngefühl, in der tendenziell kalten, modernen Einrichtungen übermitteln. In älteren Häusern oder Wohnungen, die schlecht isoliert sind, trägt eine Wandverspannung massgebend zur Wärme- und Kältedämmung der Wände bei. Warum nicht eine Wand mit einem modernen Stoff bespannen anstatt sie zu streichen? Und wenn einen Wandbespannungen noch immer nicht überzeugen können, sei es wegen schmutziger Kinderhänden oder zu starker Sonneneinstrahlung, warum nicht über eine Deckenbespannung nachdenken? Sie wird nicht schmutzig, verbleicht nicht und wird definitiv zu einem angenehmen Wohngefühl ohne Stress und Lärmbelästigung beitragen. Zusätzlich können Wandverspannungen ganz ohne Abschlüsse gemacht werden wodurch sie einiges an Modernität gewinnen. Versuchen wir gemeinsam diesem wunderbaren Handwerk zu neuem Glanz zu verhelfen!

 

Zum Schluss möchte ich mich ganz herzlich bei Markus und Simone für den wunderbaren Tag und die lehr- und austauschreichen Stunden bedanken. Ich denke wir werden nun alle mit einem besseren Gefühl zur Lehrabschlussprüfung antreten.

 

Kyra Eggimann