Kursberichte 2018

Kursbericht Kurs 3: Seilerei Kislig

Montag, 18. Juni 2018

Eine wahre Weiterbildung in die Geschichte der Seile!

Besichtigung Seilerei Kislig in Winterthur

 

Die Fotos zum Kurs sind in der Galerie aufgeschaltet. 

 

Aus welchen Materialien entstehen Seile? Wie dick ist das dickste Seil und wie werden sie gemacht? Alle diese Fragen, neben vielen anderen, wurden uns von Herr Benz gelüftet. Seine grosse Freude zu diesem Handwerk war für jeden zu sehen.


Am 20. Juli durften wir die Seilerei Kislig in Winterthur besuchen. 11 WHW-ler hörten gespannt Martin Benz zu, der den Betrieb 2002 übernommen hatte. „Gerne darfst Du hier eine Lehre machen, mit einer Bedingung aber ...“, meinte Herr Kislig dazumal. Die Bedingung war, dass er den Betrieb nach der Lehre übernehmen sollte. Martin Benz hat diese Entscheidung bis zum heutigen Tag noch nie bereut und führt uns durch seinen Betrieb.

 

Dieses traditionelle Handwerk, wie es bereits vor 140 Jahren stattgefunden hat, weiterzuführen und für die Zukunft zu erhalten, hat ihn dazu bewogen dies alles in seine Hände zu nehmen. Auf seiner „Reeperbahn“ (die Werkstatt, ca. 100 Meter lang) hat er sich auf Sonderanfertigungen spezialisiert, denn die Konkurrenz für Massenware wäre zu gross. Hier wird alles von Hand gefertigt, was in der Schweiz einzigartig ist.


Um seinen Bedarf an Rohmaterial kostengünstig zu decken, ist er einer Seilerei-Gemeinschaft beigetreten. Eine Palette Ware reicht zwar weit, aber hat seinen Preis. Diese Palletten sind meist mit Flachs, Baumwolle, Hanf… ja sogar Baumwollimitat bestückt. Hergestellt werden gedrehte und geflochtene Seile.


Marktlücken herauszutüfteln, wie die Idee mit dem Draht, um ein Seil als Garderobe zu nutzen, ein verkleidetes Verlängerungskabel, wie auch Seile für ein Trapez oder einen Kinderspielplatz sind seine Aufgaben. „Für Werbung lohnt es sich nicht, wir hoffen, die Kunden finden uns so.“, meint er. Auch die Flechtmaschine zeigt er uns, die einen ziemlichen Lärm macht. Wir beobachten wie die Spule einmal innen und einmal aussen durchfährt. Die verschiedenen Knüpfarten, sowie das dickste Seil, welches mit seinen 6 cm Durchmesser steinhart ist und wie man ein Seil ineinander verknüpft brachte uns zum Staunen.


Nach einem gemütlichen Apéro und angeregten Gesprächen über Seile und das Schweizer Handwerk haben sich die meisten verabschiedet. Vier sesshafte WHW-ler haben in Winterthur bei einem feinen Nachtessen den warmen Sommerabend ausklingen lassen.


Mehr Infos unter www.seile.ch und ein lustiges Video www.seile.ch/Knoten_Spleiss_Anleitung.htm

 

Tamara Jansen